„Nichts für uns ohne uns!“

Bei einem Erdbeben will ich als erstes meine Kinder retten und nicht von jemandem, der es gut meint, aus dem Haus getragen werden. Jorge Tzunun

Hilfe ist schön und gut, da sind sich Menschen mit Behinderung und Hilfsorganisationen einig. Doch entscheidend ist, wie die Hilfe konkret aussieht. Die meisten Menschen mit Behinderung sind sich einig: Keine Hilfe kann effektiv sein, kein Entwicklungsprogramm sie wirklich stärken, wenn Menschen ohne Behinderung entscheiden, was für Menschen mit Behinderung gut und was schlecht ist. Institutionalisierte Hilfe – sei es von staatlichen oder nicht-regierungs Organisationen – geht oft aus Unkenntnis an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen vorbei. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Nichts für uns ohne uns!

„Kennenlernen und Integration ist für eine effektive Hilfe, auch bei Katastrophen, sehr wichtig. Wenn Menschen mit Behinderung ein Teil der Gesellschaft werden sollen, muss man sie schon selbst fragen, was das genau für sie bedeutet“, erklärt Jorge Tzunun. Er engagiert sich nicht nur in seinem Dorf für Menschen mit Behinderung, sondern auch auf politischer Ebene. Er fordert, dass Menschen mit Behinderung gehört, berücksichtigt und in alle Entscheidungsprozesse  mindestens ebenbürtig eingebunden werden. Dass dies nur selten der Fall ist muss er selbst immer wieder feststellen. Er nahm an einer Unicef-Konferenz mit dem Titel „Nada por nosotros sin nosotros“ („Nichts für uns ohne uns“) teil – als einziger Mensch mit Behinderung. 

Seht mich, nicht meine Behinderung Inklusion durch Kennenlernen

Nicht nur in Institutionen ist es für Menschen mit Behinderung schwierig sich Gehör zu verschaffen. Behinderung wird kaum im öffentlichen Leben thematisiert, da es kaum Berührungspunkte mit dem Teil der Gesellschaft gibt, der keine Behinderung hat. Menschen mit Behinderung werden zu Hause versteckt, gehen in gesonderte Schulen, arbeiten in speziellen Werkstätten oder betteln. „Dabei ist Austausch der einzige Weg um ein Zusammenleben zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen. Nur wenn wir uns in den jeweils anderen hineinversetzen kann  Inklusion erst funktionieren“, erklärt Jose Sosof.

Mit verschiedenen Projekten versucht er anderen seine Welt zu zeigen. Als nächstes möchte er ein Video drehen über die Welt aus der Perspektive eines Menschen, der im Rollstuhl sitzt. So könnten seine Mitmenschen sehen, warum es für ihn ein Problem ist, wenn sich jemand auf einem Konzert genau vor ihn stellt. Doch der Weg dahin ist schwierig: Woher bekommt er das Geld für eine Kamera? Wer sieht sich seinen Film danach an? Einige Hilfsorganisationen haben ähnliche Ideen: Tag der offenen Tür, Radiospots, ein Geschäft für Produkte aus der eigenen Werkstatt mitten im Dorf. Der Wunsch sich mitzuteilen, sich auszutauschen, sich kennenzulernen ist groß. 

. Jose Sosof, 34 Jahre, Mitglied des Gemeindeentwicklungsrates
Sonia Marivel, 23 Jahre, Schneiderin .
. Manuel Yojcom 20 Jahre, Unterstützt die Arbeit der Hilfsorganisation Centro Maya
Francisca Sicay Mendoza, 26, Kunsthandwerkerin .
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